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Das chinesische Neujahrsfest und Baijiu

Das chinesische Neujahrsfest und Baijiu

Das chinesische Neujahrsfest – auch bekannt als Frühlingsfest – ist eine fünfzehntägige Abfolge von Feiertagen, die mit dem zweiten Neumond nach der Wintersonnenwende (zwischen 21. Januar und 19. Februar) beginnt. Es ist das wichtigste Fest im chinesischen Kalender und wird oft mit der Bedeutung von Weihnachten für den Westen verglichen. Milliarden von Ostasiaten überall auf der Welt zelebrieren es jährlich in ihren Familien.

Neujahr ist für Chinesen eine Zeit der Reflexion über das vergangene Jahr. Geschäftliches wird zum Abschluss gebracht und man erweist den Gottheiten und Vorfahren die Ehre. Es ist eine Zeit, in der man wichtige Angelegenheiten regelt und die Bindungen innerhalb der Familie sowie zu Freunden und Kollegen stärkt.

In der chinesischen Folklore wird Neujahr mit einer schrecklichen Gestalt namens „Nian” verbunden (der Name bedeutet heute „Jahr” auf Mandarin). Jedes Jahr erschien der Nian, um das Volk zu überfallen und ihre Vorräte zu rauben. Bis eines Tages ein wandernder Weiser die Menschen lehrte, dass sich der Nian vor lauten Geräuschen und der Farbe Rot fürchtet. Die Chinesen machten sich diese Wissen Zunutze und erwarteten den Nian im kommenden Jahr mit Knallkörpern und roter Farbe. Die Abwehrtechnik war erfolgreich und seither nutzt man sie, um das neue Jahr zu begrüßen.

Das chinesische Neujahrsfest wird seit mehr als zweitausend Jahren gefeiert, aber seine historischen Ursprünge liegen weiter zurück. Während der Zhou-Dynastie (1046-256 v. Chr.) feierten die Menschen den Jahreswechsel zum Ende der Erntezeit. Die einzelnen Staaten innerhalb der Zhou-Ära verwendeten damals unterschiedliche Kalender, weshalb es in China kein einheitliches Feierdatum gab. Dies änderte sich während der Han-Dynastie (202 v. Chr. – 220 n. Chr.), als die Regierung den einheitlichen Mondkalender einführte. Mit der Tang-Dynastie (618-907) verlor das Neujahrsfest schließlich seine strenge Religiosität und Formalität. Es entstand ein weltlicher Feiertag, der mit Ritualen wie Feuerwerk verbunden war, welches nunmehr der Unterhaltung diente und nicht, um böse Geister zu vertreiben.

In der späten Kaiserzeit, während der Ming und Qing Dynastien (1368-1912), wandelte sich die Neujahrstradition erneut und eine soziale Komponente trat hinzu. Regierungsbeamte begannen, sich gegenseitig Grußkarten zu schicken und Besuche abzustatten. Auch das chinesische Volk tauschte Geschenke aus. Die Menschen versammelten sich auf den Straßen für Löwen- und Drachentänze, Akrobatik, Theateraufführungen und Oper. Die meisten Städte und Gemeinden veranstalteten spezielle Messen, Märkte oder öffentliche Zeremonien in lokalen Tempeln.

Bis heute haben sich viele dieser Rituale erhalten. Obwohl die Traditionen von Region zu Region unterschiedlich sind und viele ethnische Minderheiten an eigenen Bräuchen festhalten, opfert die Mehrheit der Chinesen symbolische Gaben für ihre Gottheiten und Vorfahren und spricht Toasts auf ihre Lieben aus. Viele nehmen an Aktivitäten teil, um das Glück im kommenden Jahr zu begrüßen und ihren Freunden und Familien Wohlstand zu wünschen. Außerdem lieben es die Chinesen, bunte Feuerwerkskörper zu zünden.

Vor Beginn der Feierlichkeiten müssen in China bestimmte Vorbereitungen getroffen werden. Die Menschen versuchen, ihre Schulden aus dem Vorjahr zu begleichen und bekommen dazu oft Boni von ihren Arbeitgebern. Ältere Familienmitglieder schenken ihren jüngeren Verwandten sogenannte „Hongbao“ – rote Beutel, die mit Bargeld gefüllt sind. Ein jeder putzt sein Haus gründlich, um es von dem Unglück zu befreien, welches sich im Laufe des Jahres angesammelt hat. Fenster und Türen werden mit rotem Papierschmuck und Botschaften dekoriert, die für Glück, Wohlstand und Langlebigkeit stehen.
Einige Chinesen folgen dem daoistischen Brauch, Geldscheine zu verbrennen oder Essen und Alkohol zu opfern. Durch diese Gaben erhoffen sie sich, dass die Götter ihnen gut gesonnen sind und im Himmel positiv über ihre Familie berichten.

Der wichtigste Feiertag des Neujahrsfestes fällt auf den Vorabend des neuen Jahres, wenn sich die Familie zum Abendessen trifft. Es werden spezielle Speisen serviert: In den meisten Teilen des Landes kommt Fisch auf den Tisch, denn das Wort für Fisch ist dasselbe wie das chinesische Wort für „Segen“. Traditionell werden genau acht Gerichte gereicht, da diese Zahl Wohlstand symbolisiert. Viele dieser Gerichte serviert man in großen Töpfen, die in der Mitte der Tafel stehen. Sie werden geteilt, um so symbolisch den Familienzusammenhalt zu stärken.

Egal ob alt oder jung, während des Essens trinkt jeder Alkohol. Jiu, das chinesische Wort für alkoholische Getränke, ist identisch mit dem Wort “alt”, weshalb man sich während des Trinkens Langlebigkeit, Gesundheit, Wohlstand und Glück wünscht. Es ist üblich, dass die jüngeren Familienmitglieder zuerst auf die älteren anstoßen.

Die meisten Familien feiern an Neujahr mindestens bis Mitternacht und viele bleiben bis in die frühen Morgenstunden wach. Sie bereiten traditionelle Köstlichkeiten für die Nachtwache vor – im Norden Chinas zumeist Dumplings und im Süden Reiskuchen.

Auf dem chinesischen Festland ist es üblich, nach dem Abendessen die jährliche Neujahrsgala im Fernsehen anzuschauen – ein vierstündiger Marathon von Varieté-Vorführungen. Sie ist das chinesische Äquivalent zur amerikanischen “Macy’s Thanksgiving Parade” oder den “Academy Awards” – viele finden sie langweilig, aber sie ist fester Bestandteil der Tradition.

Der chinesische Aberglaube besagt, dass man das Leben seiner eigenen Eltern verlängert, wenn man an Neujahr bis zum nächsten Morgen wach bleibt. Ein bis zwei Flaschen Baijiu können, je nach Veranlagung, das Warten erleichtern oder erschweren.

Am Neujahrstag heißen die Chinesen die Götter willkommen und beginnen mit den Feierlichkeiten. Es werden unzählige Feuerwerke gezündet, um böse Geister zu verjagen. Die Tänze der Löwen und Drachen beginnen. Manche Menschen vermeiden es, an diesem Tag zu putzen, um nicht das Glück aus dem Haus zu kehren. Der erste Tag des neuen Jahres bietet außerdem Gelegenheit, ältere Familienmitglieder zu ehren.

Im Laufe der folgenden zwei Wochen sind unterschiedliche Tage durch spezielle Rituale gekennzeichnet. Viele Menschen verlängern ihren Urlaub, um in dieser Zeit Freunde zu besuchen. Geschenke werden ausgetauscht, oft in Form von Baijiu. Er ist ein willkommenes Geschenk, denn fast jeder Tag wird mit einem Festmahl und reichlich Alkohol begangen.

Die Festlichkeiten enden am 15. Tag, dem sogenannten Laternenfest. In vielen Teilen Chinas ist es an diesem Tag üblich, rote Laternen mit Rätseln zu tragen oder aufzuhängen. Ein weit verbreiteter Brauch ist zudem die Zubereitung von Tangyuan, einer süßen Suppe aus klebrigen Reiskugeln. Das Laternenfest ist aber vor allem für sein riesiges Feuerwerk bekannt, das die ganze Nacht andauern kann, weil jeder seine verbliebenen Knallkörper vom Neujahrstag zündet.

Aufgrund des reichlichen Essens, Anstoßens und Schenkens ist das Frühlingsfest die umsatzstärkste Verkaufsperiode der chinesischen Alkoholindustrie. Viele Destillerien bringen Sondereditionen auf den Markt, deren Verpackungen das chinesische Tierkreiszeichen des kommenden Jahres zeigt. Zudem gibt es limitierte Baijius, die speziell für die Feiertage hergestellt werden. Tusu Jiu (manchmal auch suijiu oder nianjiu genannt) ist ein traditioneller, medizinischer Alkohol, der heute aus Baijiu hergestellt wird. Im Gegensatz zu den meisten chinesischen Getränken wird Tusu Jiu entgegen der Tradition konsumiert, nach der die Ältesten zuerst anstoßen. Beim Tusu Jiu beginnen die Jüngsten.

Die diesjährigen Neujahrsfeierlichkeiten läuten das Jahr des Schweins ein. Der Legende nach berief der Jade Kaiser alle Tiere des Tierkreiszeichens zu einer Versammlung ein. Weil das Schwein als letztes erschien, steht es am Ende des zwölfjährigen chinesischen Tierkreislaufs.